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Von Adel und Leere berichtet die Romanverfilmung eines Science-Fiction-Klassikers unter der Regie von Denis Villeneuve. Mit Dune versammelt der Kanadier halb Hollywood und möchte das unmögliche möglich machen.

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In einer fernen Zukunft siedelt der Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac) auf den Wüstenplaneten Arrakis um. Er soll dort den Abbau des dort ansässigen Spice überwachen. Das Spice ist eine Droge, die das intergalaktische Reisen möglich macht und nur auf Arrakis zu finden ist. Zusammen mit seinem Sohn Paul (Timothée Chalamet), seiner Frau Lady Jessica (Rebecca Ferguson),s einem Waffenmeister Gurney Halleck (Josh Brolin) und dem gesamten Hausstand findet sich Leto auf dem Planeten - auch bekannt als Dune - wieder. Doch seine Reise entpuppt sich als Falle, die ihm Baron Vladimir Harkonnen (Stellan Skarsgård) zusammen mit dem Herrscher des galaktischen Imperiums gestellt hat. Nun muss Paul nach einem Angriff zusammen mit seiner Mutter in die Wüsten von Dune fliehen, wo er auf die geheimnisvollen Nomaden Fremen unter der Führung von Stilgar (Javier Bardem) und die mysteriöse Chani (Zendya) trifft, die auf ihren Erlöser warten.

Die Romanvorlage zu Dune geistert schon seit etlichen Jahren in den Hollywoodstudios umher, und galt auch lange Zeit als eines dieser unverfilmbaren Werke. Während Kult-Regisseur David Lynch zwar 1984 den Versuch wagte die Romanreihe zu verfilmen, sagen die meisten Leute heute, daß dieser Versuch kläglich gescheitert ist. Doch nachdem das Science-Fiction-Kino in den 2010er Jahren eine Art Revival feiern durfte und hochgelobte Filme wie Ex Machina, Looper oder Interstellar hervorbrachte, war klar, daß auch Dune einen weiteren Anlauf verdient. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der kommerzielle Erfolg der Star Wars-Sequel-Trilogie den Markt überdies noch mit bombastischen Einnahmen für sich vereinnahmte. Und nachdem sich der Frankokanadier Denis Villeneuve durch seine Filme Arrival und die brillante Fortsetzung Blade Runner 2049 auch einen Namen im Science-Fiction-Kino machte, war klar das niemand anderes als er einen solchen Film verwirklichen könne.

Dabei nennt Villeneuve den Film ein "Herzensprojekt" und hat dafür auch erstmals seit seinem Auftauchen in Hollywood am Drehbuch mitgeschrieben. Die Geschichte, in der es nicht zuletzt auch um eine Substanz geht, kann im Drehbuch auch mit dieser auf sich aufmerksam machen. Viele Themen wie Familie, Mythologie, Schicksal, Ausbeutung, aber auch Unterdrückung sind der Stoff, aus dem eine klassische Heldengeschichte gestrickt ist. Dabei wird der Geschichte allgemein sehr viel Raum gelassen, damit der Zuschauer auch die wichtigsten Hintergründe nachvollziehen kann. Denn während man sich hauptsächlich mit dem Haus Atreides befasst und auch Paul auf seiner Odyssee begleitet, spürt man förmlich, wie sich die Geschichte auch im Hintergrund fügt. Zuletzt konnte man eine solch ausgeklügelte und mythologisch verwurzelte Geschichte erleben, als Der Herr der Ringe in die Kinos kam. Man glaubt diese Welt und man kann sie förmlich riechen, während man von den Bildern berieselt wird. Doch berieseln ist vielleicht ein wenig negativ konnotiert und verdient ein besseres Vokabular.

So sind gerade auch die Charaktere mehr als nur der übliche Beischmuck um einen Film mit irgendeiner Form von Klischeerollen zu befüllen. In regulären Filmen wären dann da der Comicrelief, der Love interest, der Böse und noch viele weitere stereotype Charaktere. Und ganz frei kann sich zwar auch Dune nicht von dieser Art der Charakterisierung machen, allerdings bietet der Film eine Bandbreite an interessanten und auch lebendigen Charakteren. Das mag zum einen an der großartigen Schreibe von Villeneuve und seinen Ko-Autoren Eric Roth und Jon Spaihts liegen, ist aber zum anderen auch dem Umstand dieser perfekten Besetzung geschuldet. Man muss sich das nur mal auf der Zunge zergehen lassen und bekommt hier Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Josh Brolin, Stellan Skarsgård, Dave Bautista und noch viele weitere Superstars, die hier vermutlich nicht so einfach umzubesetzen wären.

Und es funktioniert nicht zuletzt auch deswegen so gut, weil der Film es schafft seinen Figuren und Motivationen Raum zu geben. So erklärt sich auch, wo die 155 Minuten Laufzeit herkommen und die Hälfte der Zeit, verbringt der Film damit Charakterbeziehungen durch Dialoge aufzubauen. Woran George Lucas in all seinen Filmen scheiterte, gehört hier mit zu dem Herzstück des gesamten Filmes. Die Dialoge und ihre Schauspieler sind atemberaubend. Besonders Rebecca Ferguson as Lady Jessica entpuppt sich mit einer Gravitas als der heimliche Star des Films. Während Timothée Chalamet zwar eine durchaus klischeehafte Charakterzeichnung bekommt, ist sein Schauspiel so intensiv und durch Nuancen versetzt, daß man den Eindruck bekommt er habe nie etwas anders getan als das.

Man könnte dem Film auch sicherlich vorwerfen, daß durch diesen langsamen Aufbau und das Wiederholen einzelner Umstände auch zu viel Zeit mit der Exposition verbracht wird, allerdings könnte man auch argumentieren, daß die späteren Filme sehr davon profitieren könnten, eben nicht mehr so viel erklären zu müssen. Doch Villeneuve weiß auch hier durch seine ruhige und gleichzeitig anspannende Inszenierung zu helfen und liefert nach Blade Runner 2049 abermals poetische, starke und beeindruckende Bilder, von denen Zack Snyder nur Träumen kann.

Und auch Träume spielen eine nicht unwesentliche Rolle in diesem Film voller Metaphern. So ist der Hauptcharakter geplagt von Träumen, die er sich nicht erklären kann. Ein weiterer genialer Schachtzug um ihn nahbar zu machen und gleichzeitig die eigene Mythologie auszubauen. Ob sie eine genauere Erklärung finden werden die - hoffentlich entstehenden Fortsetzungen - zeigen. Aber genau darin liegt auch eine der Stärken des Films. Denn nicht alles was passiert muss sofort zu einer Lösung kommen. Diesem Schein unterliegen ja Zuschauer, die mit dem Handy aufgewachsen sind gerne mal und können in der Regel auch alles sofort erklären, da auch Filme sich die Mühe machen, sehr penetrant zu erklären was gerade passiert, damit der Zuschauer bei der Stange bleibt. Doch nicht so Dune. Denn dieser Film erklärt nur die Dinge, die wir als Zuschauer auch wissen sollen und alles andere bleibt eine Überraschung und die Hoffnung auf die Zukunft.

Ganz nebenbei liefert der Film natürlich auch eine nicht unwesentliche Kritik an den Ideologien des Faschismus und Kapitalismus. So werden dem Zuschauer Klassenkämpfe, Ausbeutung und Unterdrückung quasi aufs Auge gedrückt. Natürlich nicht mit dem Holzhammer wie in manch anderem Werk, aber dennoch ist es klar worauf Herbert hinauswill und auch seine Sorge um die Umwelt ist gut sechzig Jahre später nicht ganz unbegründet. Damit bleibt dieser Film leider zwar aktuell, aber ebenso wichtig.

Was allerdings tatsächlich eine Abwechslung und eine - wie ich finde - erfrischende darstellt, ist die Tatsache das der Film sich traut dem Zuschauer auch etwas zuzumuten. Während das aktuelle Unterhaltungskino (teilweise auch das Möchtegern-Arthaus-Kino a la Jojo Rabbit, Star Wars: Die letzten Jedi, oder Thor: Tag der Entscheidung) zeigt ist es kaum noch möglich einen massentauglichen Film zu drehen, ohne alle fünf Minuten einen "Witz" zu reißen. Viele dieser Mainstream-Produktionen kranken unter der Vorstellung, daß der Zuschauer nicht mehr gefordert werden darf, wodurch eine ganz abstruse Wahrnehmung des Kinos entsteht. Doch auch hier macht Villeneuve einen Strich durch die Rechnung. Denn sein Dune ist glücklicherweise relativ Witz-Leer. Kleiner Witze gibt es zwar, aber die meiste Zeit verlässt der Film sich auf seine starken Schauspieler und seine gut durchdachte Handlung und Philosophie.

Und kommt der Film dann mal zu einem Finale, so ist dieses dann auch etwas ganz besonderes. Zwar gibt es hier und da ein Paar Kämpfe und auch die ein oder andere Schlacht. Dennoch ist das eigentliche Finale antiklimatisch zum klassischen Hollywoodfilm und damit so großartig und innovativ, daß man nicht anders kann, als auch dieses zu loben.

Fazit: Denis Villeneuve ist das gelungen, was Disney gerne gehabt hätte: Ein spannendes, tiefgründiges, unterhaltsames und vor allem vollends zufriedenstellendes Werk zu schaffen, daß auch in Jahren nichts von seiner kraft verlieren dürfte. Viel zu gut ist die Geschichte, viel zu gut ist der Cast, viel zu gut sind die Bilder, die Mythologie, die Darsteller, die Welt und machen Dune zum nächsten Meisterwerk von Villeneuve, das daß Science-Fiction-Kino hoffentlich wieder richtig in Form bringt.



Captain Schlabberhose (Diskussion) 12:10, 18. Sep. 2021 (UTC)

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